Der Text ist ein Auszug aus dem Begleitschreiben zur Studie von Entgiftungsenzymen bei CFS -Erkrankten durch das Labor Bieger.
Dr.med.habil.W.Bieger, 2000
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Detoxifikationsanalyse - FUNKTIONSTESTE - Coffeinmetabolismus - PHASE 1 - Cytochrom-P4501A2 - Cytochrom-P4502A6 - Xanthinoxidase - PHASE 2 - NAT2 - Grafik

Detoxifikationsanalyse

Die Entgiftung toxischer Substanzen erfolgt hauptsächlich in der Leber durch Phase I- und Phase II-Reaktionen.
Durch diese wird die Umwandlung lipophiler Xenobiotika in hydrophile leicht ausscheidbare Stoffe katalysiert.
In den Phase I-Reaktionen werden allg. lipophile Stoffe (toxisch/nicht toxisch) oxidativ, reduktiv oder hydrolytisch verändert.
Die dabei gebildeten - häufig toxischen - Metaboliten werden unter Beteiligung spezifischer Transferasen in den Phase II-Reaktionen durch Konjugation mit einer körpereigenen hydrophilen Ankersubstanz, wie Glutathion, Acetat, Glucuronsäure, Schwefelsäure oder Glycin, metabolisiert und für die renale Elimination vorbereitet.
Xenobiotika mit polaren Gruppen durchlaufen keine Phase I-Reaktionen, sie werden direkt in der Phase II metabolisiert.
Die Regulation der Entgiftung (Enzyminduktion / Enzymhemmung) ist sowohl von der Aufnahme exogener Substanzen (Nahrungsmittelbestandteile, Schadstoffe, Arzneimittel), als auch von den Faktoren Alter, Geschlecht, Genetik (Polymorphismen), Lebensgewohnheiten (Rauchen) und Gesundheitszustand, abhängig.

Die größte Bedeutung für oxidative Reaktionen der Phase I besitzen die mikrosomalen P-450-Cytochrom-Monooxygenasen. Diese sind in den Membranen des endoplasmatischen Retikulums der Leberzelle lokalisiert und katalysieren allgemein Reaktionen, bei denen organische Substrate unter Verbrauch eines Sauerstoffatoms hydroxyliert (A-OH) werden. Dadurch wird die Ausscheidung über den Urin oder die Galle ermöglicht.
Beim Menschen kommen zahlreiche Isoenzyme des P-450-Cytochromkomplexes mit definierten, teilweise überlappenden Aktivitätsspektren vor. Diese werden abhängig von ihrer Substratspezifität in einzelne Familien und Unterfamilien eingeteilt. Für die Metabolisierung von Xenobiotika sind insbesondere die Familien I-IV mit ihren Unterfamilien (A,B... ) von Bedeutung.
Zu den bedeutenden Phase II-Konjugationsenzymen gehören Glutathion-S-Transferasen (GST), N-Acetyltransferasen (NAT) und Sulfattransferasen.

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FUNKTIONSTESTS

Coffeinmetaboliten

PHASE 1

Die Bestimmung der Hauptmetaboliten von Coffein im Urin ermöglicht die funktionelle Analyse wichtiger Biotransformationsenzyme des P450-Cytochromkomplexes (CYP1 A2, CYP2A6), der Phase-l-Oxidation durch Xanthinoxidase und der Phase II-Acetylierung durch N-Acetyttransferase-2 (NAT-2).

Cytochrom-P4501A2 katalysiert vor allem die Phase I-Metabolisierung der aromatischen und heterocyclischen Amine, die als Nahrungsmittel-Pyrolyseprodukte gebildet werden, im Tabakrauch vorhanden sind und für die Synthese von Farbstoffen, Arzneimitteln sowie Pestiziden verwendet werden. Zu den Arzneimitteln, die durch CYP1A2 metabolisiert werden gehören u.a. die

  • Anilinderivate Phenacetin und
  • Paracetamol, sowie
  • Coffein,
  • Theophyllin und
  • Clozapin.

  • Ein weiteres Substrat ist Aflatoxin B1, ein karzinogener Naturstoff, der durch CYP1A2 zum mutagenen Epoxid transformiert wird. CYP1A2 gehört mit 12,7 ± 6.2 % des gesamten P450-Anteils in der Leber zu den Hauptenzymen des Cytochrom-P-450-Enzymkomplexes.
    In der Bevölkerung liegen nennenswerte Unterschiede in der Aktivität vor, die auf eine Aktivierung aber auch Hemmung des Enzyms zurückzuführen sind. Ebenso sind Polymorphismen bekannt, die ein leicht induzierbares Enzym zur Folge haben.
    Der CYP1A1 - und der GSTM1 - Polymorphismus beeinflußt ebenfalls die CYP1A2-Aktivität. Personen, mit genetisch bedingt fehlender bzw. verringerter CYP1 A1 - oder GSTM1 - Aktivität, zeigten eine gesteigerte CYP1 A2-Aktivität.
    Hohe CYP1A2-Akitivität weist generell auf eine Enzyminduktion durch Umwelt- und chemische Prokarzinogene einschließlich der Arylamine und der PAKs (polyzyclische aromatische Kohlenwasserstoffe) hin. PAKs, die durch unvollständige Verbrennung organischen Materials (Teere, Autoabgase, Ruß) entstehen, sind verantwortlich dafür, daß Raucher ebenfalls erhöhte CYP1A2- Enzymaktivitäten aufweisen.
    Erhöhte CYP1 A2-Aktivitäten führen zu einer übermäßigen Bildung reaktiver, zum Teil karzinogener Phase I-Metaboliten und zur vermehrten Bildung reaktiver Sauerstoffverbindungen (Oxidativer Streß).

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    Cytochrom-P4502A6 katalysiert vor allem die Phase I-Metabolisierung der Dimethylnitrosamine, die in Lebensmitteln, insbesondere in gepökelten Räucherwaren sowie im Tabakrauch vorkommen. CYP2A6 ist auch an der Biotransformation von

  • Valproinsäure (Antiepileptika)
  • ,
  • Nicotin
  • ,
  • Cotinin (Metabolit von Nicotin)
  • ,
  • Hexamethylphosphoramid (Prokarzinogen),
  • 2,6-Dichlorobenzonitril (Herbizid) und
  • Nitrophenol
  • beteiligt.
    Cumarin, ein Pflanzenglycosid, ist ein spezifisches, selektives Substrat für CYP2A6. Die Metabolisierung von Nicotin, Cotinin und Valproinsäure wird durch Cumarin gehemmt.
    Schwankungen in der Aktivität von CYP2A6 sind auch genetisch bedingt (Polymorphismus). Mit dem Alter nimmt die Enzymaktivität ab.
    Niedrige CYP2A6-Akitivität kann durch genetischen Mangel oder durch gestörte mikrosomale CYP2A6-Kapazität bedingt sein (Erkrankungen mit Leberzellschädigung). Eine niedrige Aktivität kann auch bei geringer Schadstoffbelastung (fehlende Induktion) oder bei sehr hoher Belastung durch massiven Verbrauch (Überladung der Enzymkapazität) bedingt sein.

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    Xanthinoxidase [XO], ein Flavoenzym, gehört zu den löslichen cytoplasmatischen Enzymen mit höchster Enzymaktivität in der Leber und Intestinum. XO katalysiert die oxidative Metabolisierung der endogenen Purine und Pyrimidine, sowie der Arzneigruppen Captopurin und Azathioprin.
    Die Umsetzung von Xanthin führt zur Bildung von Harnsäure unter Generierung toxischer Superoxidradikalanionen.
    Genetische Polymorphismen sind nicht bekannt, es zeigt sich jedoch ein weites Aktivitätsspektrum.

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    Phase II

    N-Acetyltransferasen katalysieren den N-Acetyltransfer aus Acetyl-Coenzym A auf den Stickstoff von

  • primären Aminen,
  • Arylaminen,
  • Hydrazinen und
  • Hydraziden, sowie den
  • O-Acetyltransfer auf den Sauerstoff von Hydroxylaminen.

  • Im Menschen existieren zwei Acetyltransferasen, die sich stark in ihrer Substratspezifiät unterscheiden. Die N-Acetyltransferase2 wird polymorph exprimiert.
    Zu den Substraten der NAT2 gehören mehr als 15 häufig verwendete Arzneimittel, wie z.B.
  • Isoniazid,
  • Sulfamethazin,
  • Sulfapyridin,
  • Hydralazin,
  • Procainamid,
  • Dapson und
  • Coffein.

  • Ebenso sind die toxikologisch wichtigen aromatischen Amine, wie
  • 2-Naphthylamin,
  • 4- Aminobiphenyl,
  • Benzidin,
  • 2-Aminofluoren,
  • 4,4-Methylen-bis-(2-chloranilin) und
  • 2-Hydroxylaminofluoren (O-Acetylierung)
  • Substrate der NAT2.
    NAT2 ist im Cytosol der Leber und der Dünndarmepithelien lokalisiert.
    Die NAT2 zeigt drei verschiedene Polymorphismen Ml, M2, M3 mit unterschiedlichen Allelfrequenzen. Abhängig von der genetischen Determinierung (homozygote Mutation / heterozygote Mutation / Wildtyppallele) wird zwischen "langsamen Acetylierern", "mittleren Acetylierern" und "schnellen Acetylierern" unterschieden.
    Durch die Messung der Aktivität der NAT2 können "langsame" und "schnelle Acetylierer" differenziert werden.

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    Grafik der Detoxifikationsprozesse in der Leberzelle

    NOT.: es wird in Zukunft eine aktive Grafik mit Links erstellt.

    Schema aus Befundbericht übernommen und farblich verändert

    Keine Frames?:

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